Morbus SCHEUERMANN
Übersicht
Morbus
Scheuermann -
was ist das? Bei der Scheuermann’schen
Erkrankung (Morbus
Scheuermann) handelt es sich um eine der häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen.
Beim Morbus
Scheuermann sind Jungen gegenüber Mädchen wesentlich häufiger
betroffen. Bei der Entstehung des Morbus
Scheuermann kommen mehrere Ursachen in Frage. Es können endogene
(angeborene) Ursachen, Stoffwechselstörungen aber auch starke mechanische
Beanspruchungen angenommen werden. Eine große Rolle spielt die schwache
Muskulatur bei den Kindern. Bei heute nur noch geringen sportlichen Belastungen
in Kindergarten, Schule und Ausbildung kann sich keine ausreichende Muskulatur
beim M.
Scheuermann bilden. Der Morbus Scheuermann wird dadurch während der Wachstumszeit noch verstärkt. Es
kommt zu einer vermehrten Druckbelastung auf die Wirbelkörper und die
Bandscheiben. Die Wirbelkörper werden beim Morbus
Scheuermann vorne mehr eingedrückt. Hierdurch entsteht eine keilförmige
Ausbildung der Wirbelkörper und eine daraus entstehende vermehrte Rundrückenbildung.
Bei jungen Leistungssportlern, hier insbesondere Turner und Trampolinspringer,
kommen zusätzliche Belastungen zustande, die den Morbus
Scheuermann verstärken können.
Entstehung des
Morbus Scheuermann: Die Wachstumsstörung beginnt an den noch knorpeligen Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper. An den Wirbelkörpern bleibt das Wachstum vorne allmählich zurück, so dass die Wirbelkörper sich bei Morbus Scheuermann keilförmig entwickeln können. Zusätzlich kommt es zu einem Einbruch von Bandscheibenmaterial in die Wirbelkörper, die sogenannten röntgenologisch festzustellenden Schmorl’schen Knorpelknötchen. Durch den Eintritt des
Bandscheibengewebes in die Wirbelkörper wird beim Morbus
Scheuermann der Zwischenwirbelraum (ZWR) erniedrigt. Es kommt zu einer stärkeren
Belastung der Wirbelsäule und der kleinen Wirbelgelenke. Hieraus resultieren später
Rückenbeschwerden.
Oft besteht beim M.
Scheuermann noch eine sogenannte Morbus
Scheuermann - Skoliose (Seitausbiegung der Wirbelsäule). Bei starkem
Ausmaß des Morbus
Scheuermann kann es zu einem verfrühten Verschleiß der Bandscheiben führen,
die im 2. und 3. Lebensjahrzehnt zu einer Einsteifung der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte
führen kann. Hierdurch müssen die anderen Wirbelsäulenabschnitte beim Morbus
Scheuermann kompensatorisch eine Überbeweglichkeit annehmen. Es kommt zu
einer vermehrten Hohlkreuzbildung.
Klinische Untersuchung beim
Morbus Scheuermann: Während des Auftretens des Morbus Scheuermann im Wachstumsalter sind die Beschwerden bei den Kindern und Jugendlichen häufig nur gering ausgeprägt. Auffällig sind bei der Untersuchung die schwache Rückenmuskulatur, die Seitenausbiegung der Wirbelsäule sowie eine vermehrte Rundrückenbildung. Erst spät kommen im
Erwachsenenalter Spätsymptome des Morbus
Scheuermann zum Tragen. In Abhängigkeit der vermehrten Rundrückenbildung
und verstärkten Hohlkreuzbildung kommt es zu starken lokalen Beschwerden, die
auch zeitweilig in die Arme und Beine ausstrahlen können. Es bestehen starke
Beschwerden im Bereich der verspannten Rückenmuskulatur, der Bänder und
Gelenke. Beim M.
Scheuermann ist die Ursache im Jugendalter zu suchen. Die Beschwerden
treten aber erst später im Erwachsenenalter auf.
Diagnose des
Morbus Scheuermann: Bei der klinischen Untersuchung
wird der Arzt bei den Kindern und Jugendlichen oft eine so genannte schlechte
Haltung feststellen, Schmerzen sind eher die Ausnahme. Die Diagnose des Morbus
Scheuermann wird sowohl durch die klinische Untersuchung als auch durch Röntgenaufnahmen
gesichert.
Therapie des
Morbus Scheuermann: Nur selten muss beim Morbus
Scheuermann im Wachstumsalter eine Korrektur der Wirbelsäule durch eine
Korsettversorgung erfolgen. Im Vordergrund steht die
krankengymnastische Übungsbehandlung. Beim Morbus
Scheuermann hat die Haltungsverbesserung sowie der Muskelaufbau im
Vordergrund zu stehen. Es erfolgen regelmäßige Bewegungsbäder unter Aufsicht
und Kontrolle der Krankengymnasten. Im Rahmen der Sporttherapie
muss ein regelmäßiges Haltungsturnen erfolgen. Geeignete Sportarten werden mit
den Kindern und Eltern intensiv besprochen. Nur selten sind operative
Eingriffe beim Morbus
Scheuermann notwendig.
Therapie des
Morbus Scheuermann beim Erwachsenen: Eine Änderung der Wirbelsäulenveränderung
ist beim Erwachsenen nicht mehr möglich. Es kann aber durch eine intensive
krankengymnastische Behandlung die muskuläre Stabilisation deutlich verbessert
werden. Im Rahmen der Medizinischen Trainings-Therapie (MTT) kann beim Morbus
Scheuermann die Muskulatur zusätzlich deutlich gestärkt, Verkürzungen
gedehnt werden. In der physikalischen Therapie kommen hauptsächlich Muskellockernde Verfahren wie Kurzwelle, Ultraschall, Rotlicht und weitere Wärmeanwendungen in Frage, ggf. ergänzt durch lokale Massagen. In der Ergotherapie wird
beim Morbus
Scheuermann ebenfalls eine Verbesserung der Haltung versucht. Im
Vordergrund steht die Verbesserung des beruflichen Umfeldes. Gerade beim
„Schreibtischtäter“ muss auf eine optimale Sitzhaltung geachtet werden.
Beim Morbus
Scheuermann ist das dynamische Sitzen zu fordern. Hier gibt es
verschiedene Möglichkeiten, auch bei der Gestaltung des Bürostuhls. Es können
Tipps zur Haltungsverbesserung gegeben werden. Diese werden mit unseren
Patienten regelmäßig eingeübt. Ggf. wird über die Kostenträger
eine berufsfördernde Leistung eingeleitet. Deshalb spielt bei Beschwerden durch
den durchgemachten M.
Scheuermann auch die Sozialberatung eine Rolle. In der Sporttherapie können sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen beim Morbus Scheuermann spezielle Techniken eingesetzt werden. Übungen sowohl auf dem Trockenen als auch im Bewegungsbad sollten erlernt werden, um einer zusätzlichen Haltungsschwäche entgegen zu wirken. Es erfolgt eine Beratung durch
die Sporttherapeuten betreffend geeigneter Sportarten. Hier kommt auch das so
genannte Stick-Walking zum Tragen, das Walking erfolgt unter Benutzung von 2
Teleskopstöcken, die die Wirbelsäule zusätzlich entlasten. Abschließend sei auch die
Ernährungsberatung beim Morbus Scheuermann erwähnt. Oft wird durch die Haltungsschwäche sowie die
Schmerzen beim Morbus
Scheuermann die sportliche Betätigung reduziert. Es erfolgt eine zusätzliche
Gewichtszunahme, die die Beschwerden beim Morbus
Scheuermann verstärkt. Bei Bedarf werden unsere Patienten durch die Ernährungsberater
informiert und geschult, weiteres Gewicht zu reduzieren. Bei weitgehendem
Normalgewicht wird die Fähigkeit zur sportlichen Tätigkeit weiter gefördert. In der Klinik am Homberg können
wir Ihnen durch ein gut geschultes und kompetentes Team umfassend helfen. Im
Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe, um eine weitere
Beschwerdesymptomatik beim Morbus
Scheuermann zu verhindern und ggf. eine weitere Einsteifung zu
verhindern. Alle o. g. konservativen therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen sind in der Klinik am Homberg möglich. Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können.
Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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